Blind-Date mit den Schneeschuhen

Es ist Donnerstag-morgen, ich und meine bessere Hälfte Nicole brechen zu einem Blind-Date in die Kitzbüheler Alpen auf. Über den DAV Wiesbaden wurden wir auf unser Bild-Date mit den Schneeschuhen aufmerksam. Für unser erstes Aufeinandertreffen haben wir die Neue Bamberger Hütte in den Kitzbüheler Alpen ausgewählt. Auch dies ist neu für uns. Egal, wenn schon Neuland, dann aber richtig! Ein Tourenbericht von Volker Schneider.

Bereits auf der Zugfahrt treffen wir bekannte Gesichter von einem Vortreffen. Zwar weniger als ursprünglich geplant, aber so ist das. Wir nehmen es mit einem Schmunzeln, Qualität setzt sich durch, sagen wir uns 🙂 Die Anreise lässt Schönes erahnen. Nette und unterhaltsame Truppe, denke ich mir. Die Bergführer scheinen auch zu wissen, wovon sie reden. Alles im Lot. Innerlich fiebern wir dem Aufstieg entgegen. Das erste Mal auf Schneeschuhen. 800 Höhenmeter in zwei Stunden. Mit Gepäck bei Regen. Super, denke ich mir. Aber wenn schon Neuland, dann aber richtig!

So steigen wir auf, ziemlich zügig wie ich finde. Zumindest signalisiert mir das mein Herz-Kreislauf. Egal, da müssen wir jetzt durch. Oben wartet ja eine idyllische Berghütte auf uns. Und so durchleben wir unseren ersten Aufstieg mit Schneeschuhen. Ganz schön anstrengend. Das hat nichts vom Sport für ältere Herrschaften. Als Skifahrer sehne ich mir ab und an den Lift herbei.

Aber nach anstrengendem Start wird das schon, sage ich mir. Und dann erreichen wir die Hütte. Yes! Wir tauchen bei Schneetreiben und frischen Temperaturen ein in eine verschneite und nebelige Schneelandschaft. Nichts wie rein in die warme Stube.

Jetzt startet unser Urlaub, sage ich mir! Und, so ist es. Am Abend sitzen wir mit unserer Gruppe zusammen und lernen uns kennen. Na ja, wir lernen sie kennen, denn sie scheinen in der DAV-Familie schon länger gut bekannt. Aber wir sind sofort aufgenommen und haben unsererseits auch keinerlei Berührungsängste. Also besprechen wir die Tourenmöglichkeiten für den nächsten Tag. Lawinenstufe 3 mit Tendenz 4. Ups, werden wir das überleben?  Es stellt sich später heraus, wir überleben. Auch Dank zweiter toller Bergführer: Inge und Jürgen machen das sehr professionell, binden uns immer wieder mit ein und wir lernen bereits am Tisch vieles über die Berge.

Wir beschließen auf Grund des Wetters, als erstes eine Lawinenübung zu machen. Das hat schon was sehr Reales hier oben im Berg. Nicht wie bei der Januarübung mit Puderzuckerüberzug in Wiesbaden. Nach drei Übungen kommt das Erlernte zurück. Viele gute Tipps unserer beiden Profis prägen sich bei mir ein. So soll es sein. Wir sind ja zum Lernen hier. Wenn schon Neuland, dann aber richtig!

Die dann folgenden Tage und Touren haben alles, was ich mir von den Bergen und Schneeschuhtouren vorgestellt und erwünscht habe. Es ist wunderschön, neu, atemberaubend, anstrengend, unterhaltsam, erfahrungsreich und Genuss.

Diese verträumte Schneelandschaft, diese Weite und das sich selbst finden im gleichmäßigen Rhythmus des Laufens. Manchmal unterbrochen von einem Stolperer in den weichen, aber kalten Schnee, wenn ich mir vor lauter Umherschauen mal wieder selbst auf die Schneeschuhe getreten bin.
Alles kein Problem. Die Sicherheit und das Gefühl, etwas sehr Schönes gefunden zu haben, wächst in mir. Ich als alter Skiläufer mutiere gerade zum Schneeschuh-Wanderer. Nach 45 Jahren Ski-Alpin. Es macht Spaß und erfüllt mich. Wenn schon Neuland, dann aber richtig!

So erleben ich vier Tage mit einer tollen Truppe und zwei sehr souveränen und erfahrenen Bergführern in den Kitzbüheler Alpen. Ich bin angekommen in meiner neuen Sportart. Am letzten Abend lassen wir in der Truppe Revue passieren. Wir wollen wieder!  Schnell sind wir uns einig und haben die Kalender 2018 gecheckt! Es passt, der Mensch braucht Ziele. Unser Ziel haben wir mal auf den März 2018 terminiert. Wenn schon Neuland, dann aber richtig!

Rückblickend war mein Blind-Date mit den Schneeschuhen ein Volltreffer. Alles, aber wirklich alles hat gestimmt. Ich durfte von der Gruppe, Inge und Jürgen viel lernen und habe wertvolle Tipps bekommen. Ich habe viel Neues über die Berge gelernt. Neues, von dem ich als Skipistenmensch bisher fern war. Ich habe die Hüttenatmosphäre kennen gelernt und sie für mich aufgesogen. Das ist mein Ding! Mit jedem Schritt im Schnee wurde ich sicherer und die Freude stieg. Es ist ein anspruchsvoller und durchaus ambitionierter Sport. Einer, den man in einer Gruppe und im Team ausübt und der in einem Team umso mehr Spaß macht. Mein Ding als Mannschaftssportler! Wenn ich im Nachgang einen Kommentar höre, der in Richtung Seniorensport geht, muss ich in mich reinlächeln. Ich als nun „erfahrener“ Schneeschuhwanderer denke mir nur, jaja, wenn ihr wüsstet. Was als Blind-Date begann, war Liebe auf den zweiten Blick. Der Aufstieg hat dieses Erlebnis herausgezögert, aber schöne Dinge muss man sich bekanntlich verdienen.

Ich muss mich bei meinem Schatz, meiner Truppe sowie Inge und Jürgen bedanken. Der DAV mit seinen zahlreichen Aktivitäten und den Ehrenamtlichen ist beeindruckend. Ohne den DAV wäre ich wohl nicht in diesen Genuss gekommen. Hätte nicht meine neue Sportart kennen gelernt. Das Erlebte lässt mich immer wieder beim Gedanken daran lächeln. Beim Abgeben meiner Ausrüstung in Wiesbaden habe ich innerlich „bis bald“ gesagt. Es war zwar ein Blind-Date, aber der Anfang einer neuen Serie. Wenn schon Neuland, dann aber richtig!

Volker Schneider