Eric Barnert: Kreuzkogel, Bergverlag Rother 2013

Kreuz und quer über den Kreuzkogel

Der Bergverlag Rother setzt auch mit seiner neuen Krimireihe Akzente

Die Gattung Kriminalroman ist so populär wie nie zuvor. Und da auch das Bergwandern wieder populär ist, sind die Kommissare und Ermittler ebenfalls vermehrt in den Bergen aktiv. Sogar der renommierte Bergverlag Rother hat jetzt mit „Rother Bergkrimi“ eine eigene Reihe am Start. Und gleich der zweite Band dieser Reihe ist eine echte Entdeckung: „Kreuzkogel“, so der Titel des Romans von Eric Barnert – und rund um diesen fiktiven Berg spielt sich die Handlung des Buches auch ab. Martin Keller, Arzt bei einem Konstanzer Pharmaunternehmen, entdeckt Unregelmäßigkeiten rund um eine Studie der Firma. Um sich Klarheit über die eigene Situation zu verschaffen, fährt er in die geliebten Tiroler Berge. Doch vom Gipfel aus sieht Keller durch das Fernglas, wie sein Auto von zwei Unbekannten aufgebrochen wird. Eine wilde Verfolgungsjagd durch die Berge beginnt, es geht über Stock und Stein, zu Fuß, mit Autos, Motorrädern und Seilbahnen – und mit Kletterstellen bis zum sechsten Schwierigkeitsgrad.

Obwohl alle wichtigen Personen quasi ständig in Bewegung sind, endet die Geschichte an der gleichen Stelle, an der sie begonnen hat. Wie im richtigen Bergsteigerleben ist also auch hier der Weg das Ziel. Die eigentliche Handlung ist dabei nicht unmäßig kompliziert. Dennoch gelingt es dem Autor, die Spannung bis zu den letzten Seiten hoch zu halten. Die Hauptfiguren sind komplex angelegt und wirken sehr lebendig. Bei den Nebenrollen schleicht sich allerdings das eine oder andere Klischee ein – und die Bergbewohner sind natürlich im Verhältnis zu den Städtern deutlich positiver dargestellt. Der Roman gleitet aber nie ab, weder in eine Bergromantik-Schnulze noch in eine unrealistische Anhäufung von unglaublichen Begebenheiten. Vieles bleibt „normal“, nachvollziehbar und im positiven Sinne unspektakulär.

Nicht zu überlesen ist zudem, dass der Autor selbst ein bergbegeisterter ist (und sogar Fachübungsleiter Alpinklettern und Hochtouren im DAV!). Und so gehören die Beschreibungen der Kraxel- und Kletterpassagen auch zu den Höhepunkten des Buches. Nicht, weil die Touren so anspruchsvoll wären. Sondern weil es Barnert gelingt, die allen Bergwanderern und Kletterern bekannten Situationen (die Unsicherheit bei der ersten schwierigeren Stelle, die Ruhe auf dem Gipfel, der Morgen auf der Hütte) für den Leser erfahrbar zu machen. Fazit: Kein atemberaubender Überflieger, aber ein solider Roman, den man auf dem Sofa durchaus in einem Rutsch bewältigen kann, der sich aber auch als Lektüre für Hüttenabende eignet.

Matthias Weber

 Eric Barnert: Kreuzkogel, Bergverlag Rother 2013, 12,90 Euro (ISBN 978-3-7633-7062-7)