Im Banne des Dreigestirns – und des Geschnetzelten

Gute Laune am Hohtürli
Gute Laune am Hohtürli

„Zu dieser verlockenden Tour ins Berner Oberland vom 11. bis 16. Juli hatte Matthias Weber in unserem Tourenprogramm aufgerufen.

Nachdem mich schon zwei spannende Diavorträge bei unserer Sektion für diesen fast sagenumwobenen Teil der Schweiz begeisterten, nutzte ich diese Chance, einen Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau zu erhaschen, gern.“

Hier der Torenbericht von Claudia Kötzer:

„Wir reisten zu siebt (2 x Matthias, Helmut, Klaus-Jochen, Peter, Wolfram und Claudia) mit dem Zug nach Kandersteg (1170 m). Unsere Bergtouren sollten uns bis Grindelwald führen und dann wieder mit der Bahn gen Wiesbaden.
Unser erster Aufstieg bei heißem Kaiserwetter (zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass uns dieses die ganze Woche begleiten würde) führte über den erfrischenden Oeschinensee zum reizenden kleinen „Bärgbeizli Underbergli“ (1724 m). Würzige Käsemakkaroni mit Salat und Apfelmus stärkten uns. Nachschlag gab es unbegrenzt. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir auch noch nicht, dass dieses Abendgericht unser Ausgefallenstes bleiben sollte und dass Älplermakkaroni in der Schweiz mit Apfelmus als Beilage und nicht als Nachtisch serviert werden.

Abstieg vom Hohtürli
Abstieg vom Hohtürli

Mit üppigem Frühstück bei Kerzenschein durften wir uns am Morgen stärken. Der an Höhenmetern reiche und lange Bergtag führte uns über das Hohtürli (2778 m) kurz unterhalb der Blümlisalphütte zur Gspaltenhornhütte (2455 m).
Unser erstes Schweinegeschnetzeltes der Tour verlieh uns wieder neue Kräfte.
Was gab es auf der Hütte Besonderes? Moderne Lager im Neubau und eine Trocken-Trenntoilette. Haken schienen, wie so oft, kostbar wie Gold zu sein und waren demnach Mangelware. Beim Frühstück gab es für jeden nur ein einziges winziges Stück Käse, reichlich feines Müsli und hausgemachte Marmeladen.

Ein spannender Steig führte uns über kleine Schneefelder und eine Leiter über die Sefinenfurgge (2612 m) zur Rotstockhütte (2039 m). Unterwegs zweigte der noch nicht ausgelastete Teil unserer Gruppe zum Aufstieg auf das Schilthorn (2970 m) ab. Oben erwartete sie das aus James Bond 007 („Im Auftrag Ihrer Majestät“) bekannte Drehrestaurant und eine phänomenale Aussicht. Die „Ruhetags-Gruppe“ gönnte sich den kaum weniger genialen Rundumblick aus der Höhe des markanten Bryndli (2132 m). Die Wolken verzogen sich. Eiger, Mönch und Jungfrau trohnten erstmalig und – wie erwartet – majestätisch vor uns.

Zum Abendessen gab es Geschnetzeltes, das Zweite. Eine unbeschwert quiekende Schweineherde war kurz zuvor an unserer Hütte vorbei getrieben worden. Laut Deklaration der Speisekarte wird nahezu nur Schweizer Fleisch angeboten. Ob es direkt vom Nachbarhof kommt, erfuhren wir allerdings nicht. Zum großzügigen Frühstück gab es Bircher Müesli mit frischen Äpfeln und auch leckeren hausgemachten Tannenschössli-Honig.

Sekundenvollbäder im Oberhornsee

Das Breithorn in Sicht
Das Breithorn in Sicht

Auf dem abwechslungsreichen Weg gen Hotel Obersteinberg (1778 m) sprangen wir alle zum Abkühlen unter den Sprühnebel des Wasserfalles des Weschbächlis. Ausgiebige Vesperpause gönnten wir uns mit Blick auf die Jungfrau und das Breithorn. Das als sehr sehenswert beschriebene Tanzbödeli ließen wir angesichts der Mittagshitze über uns liegen. Uns lockte mehr der Oberhornsee. Ob die Sekundenvollbäder dort unter Körperreinigung anstelle der fehlenden Duschmöglichkeiten verbucht werden konnten, bleibt dahin gestellt. Nachträglichen Frostschutz in Form eines „Älpler-Tequilas“ (Marillenbrand mit zusätzlicher getrockneter Marille) benötigten dennoch nur einige unserer hartgesottenen Truppe.

Im stromlosen Hotel erwartet uns bei romantischem Kerzenlicht und Petroleumlampen als Abendessen das inzwischen wohl unvermeidliche Schweinegeschnetzelte. Die spannende Frage war inzwischen: Gibt es wohl Nudeln oder wieder Reis dazu…?

Nach dem Abstieg hatte Matthias sogar etwas „Touristenprogramm“ mit den spektakulären Trümmelbachfällen für uns eingeplant. Ein spannender einsamer Steig führte uns danach über eine vermeintlich senkrechte Wand hinauf und sogar an einem Steinbock vorbei. Wie wohl die Frau Steinbock heißt, fragten wir uns. Steinböckin gewiss nicht!?! Das letzte Stück von Allmend zu Kleinen Scheidegg ließen wir an unserer statt, die Zahnradbahn und unseren Geldbeutel schnaufen (18 SFR/€). Im „Grindelwaldblick“ erwartete uns endlich die ersehnte, verdiente und notwendige erste Dusche…und Ragout…also das letzte, immerhin grob Geschnetzelte!

Am Abreisetag nutzten einige von uns das Panoramawetter und den preiswerteren Frühzug für einen Abstecher durch den Eiger zum Jungfraujoch. Ab der Station Eigergletscher wanderten wir später gemeinsam über den Eiger-Trail unter der beeindruckenden Nordwand zum Zug gen Grindelwald und Heimat.

Eine Schattenfrau und sechs Schattenmänner
Eine Schattenfrau und sechs Schattenmänner

Platz eins bei Freundlichkeit und kulinarischen Köstlichkeiten belegte auf unserer subjektiven Hüttenskala eindeutig die Rotstockhütte. Vegetarier oder gar Veganer sowie Duschfans hätten auf unserer Tour schlechte (Speise-)Karten gehabt. Halbpension kostete überall 68 €. In Anbetracht des heißen Wetters und der Tatsache, dass ein Liter Teewasser bis zu 7 SFR/€ kostete, hielten wir uns übrigens meist lieber ans Bier (ca. 5,50-6,00 SFR/€) oder einen kühlen Fendant (Viertele zu 9 SFR/€). Mutschli entpuppte sich als leckerer Käse…der uns auch bei der inzwischen schon legendären mehrgängigen DAV-Wiesbaden-Zugvesper schmeckte.

Die vorgesehenen Tagesetappen planten jeweils zwei von uns nochmal zu Übungszwecken mit Höhenmetern und Gehzeiten durch. Die ein oder andere Überraschung ergab sich trotzdem.

Die leibesertüchtigenden Dehn- und Lockerungsübungen, zu denen Matthias uns allmorgendlich einlud, fehlen jetzt sehr. Vielen Dank von allen glücklichen Tourteilnehmer für die tolle Planung, Organisation und Begleitung durch Matthias.

Ach übrigens: Später konnten wir noch das Steinbock-Rätsel lösen…Das Weibchen heißt, wie viele vermutlich schon längst wissen: Steingeiß.“

Bericht: Claudia Kötzer

Einen Bildvortrag zu dieser Tour gibt es am 28. September um 19.00 Uhr im Alpinzentrum unserer Sektion (Holzstraße 11a)