Isatis, das blaue Ländchen, Riesling und mehr …

Am Sonntag, den 21.05., trafen sich bei bestem Wetter schon einmal 15 interessierte Menschen mit Dr. Norbert Doerr, Pharmazeut und Hobbybotaniker vom BUND und Regina Hacke vom DAV um 11:15 am HBF. Es ging gemeinsam mit dem Zug und den günstigen 5er Gruppentickets nach Lorch.

Hier kamen wir am Weingut von dem Oenologen und zweiten Referenten Thomas Rink mit 10 weiteren Interessenten zusammen. Von dort ging es zu einer ca. 10-12 km langen Wanderung durch eine der schönsten Etappen des oberen Mittelrheintales. Wir erfuhren viel Wissenswertes über die Pflanzen am Wegesrand und im Wald, die viele von uns schon so oft gesehen haben, aber doch nicht wirklich kannten. Wir probierten z.B. den wilden, sehr schmackhaften Rucola, erfuhren u.a. über die heilende Wirkung des Eisenkrautes und den wilden Knoblauch.

Besonders beeindruckt hat uns die verwilderte, ehemalige Kulturpflanze Isatis und deren historische Bedeutsamkeit. Ihr Fruchtstand wurde im Mittelalter zum Färben von Blau (deutsches Indigo) verwendet. Die vielen Färbereien hier am Rhein trugen damals zum Wohlstand der Rheingauregion bei. Nach der Reformation wollten die niederländischen Händler gerne mit reformierten Färbern und Webereien handeln. Die Rheingauer blieben aber, wie wir wissen, katholisch. Die Färber und Weber wurden schnell abgeworben vom Herzog von Nassau, zogen in die Gegend von Nastätten um und verhalfen der Region dort zum Wohlstand und dem Namen „das blaue Ländchen“. Die Lorcher Gegend verarmte danach erst einmal.

Während der Tour pausierten wir zweimal, um einen Riesling und Chardonnay am Anbaugebiet zu genießen und Interessantes über die besonderen Weinbergslagen und Weinherstellungsbedingungen in der Region zu erfahren.

Insgesamt war es eine sehr informative, genussvolle und anregende Wanderung, was sowohl der hohen Fachkompetenz, der guten Orts- und Geschichtskenntnis, als auch der lebendigen und unterhaltsamen Schilderung der Referenten zu verdanken ist.

Ein herzliches Dankeschön an sie und selbstverständlich auch an die Organisatorin Regina Hacke, ohne deren Engagement die Tour gar nicht zustande gekommen wäre.

Autorin: Kathrin Goerlich

 

Literaturtipps:

Dr. Wolfgang Ehmke: „Zwischen Mittelrhein und Taunus“ Naturschätze in Lorch am Rhein

Rita Lüders: „Grundkurs Pflanzenbestimmung für Anfänger und Fortgeschrittene“

Rita Lüder und Frank Lüder: „Wildpflanzen zum Genießen: für Gesundheit, Küche, Kosmetik und Kreativität“

www.WildpflanzenLiebe.de von Dagmar Tischer