Mit Matthias, Asterix und Pasquale Paoli auf Korsika

 
Auf der Ponte di Pianello bei Ota
„Dieser hauchzarte Duft nach Thymian und Mandeln, Feigen und Kastanien . . . und dieser Hauch von Kiefer, diese leichte Andeutung von Beifuß, diese Ahnung von Rosmarin und Lavendel . . . ach, meine Freunde, dieser Duft! Das ist Korsika!“
 
Und genau dieser Duft empfängt uns, als wir nach einer angenehmen, kurz auch aufregenden, interessanten, leckeren Reise mit Zug über Paris und Marseille und der Nachtfähre nach Ajaccio auf Korsika ankommen. Ein Frühstück am Hafen. Ein Bummel über den Markt. Einige gehen baden. Um 11 Uhr dann der Zug ins Landesinnere… So kann ein Urlaub starten… Und immer mit dabei: ein kleines Zitat aus Asterix oder der große Pasquale Paoli, den uns Matthias immer wieder auf unserer Tour als den „U Babbu di a patria“, den Vater des Vaterlandes, näher bringt. Seine Begeisterung für Korsika weiß anzustecken…
 
 

 
Zwei erste Touren gehen zu Wasserfällen (Cascades des Anglais) Nähe Vizzavona und zu zwei wunderschönen Seen (Melu und Capitellu) im Restonicatal. Diese Touren geben einen guten Vorgeschmack auf das Kommende: Höhenmeter, tolle Landschaften, der korsische Duft und immer wieder Bademöglichkeiten. Großartig, diese von Bächen geschaffenen steinernen Badegumpen, in denen man sich bei den doch ziemlich heißen Temperaturen herrlich wieder runterkühlen kann. Abends übernimmt immer jemand die Tourenplanung für morgen. Wasser ist wichtig! Das aus den Quellen und das zum Baden, natürlich neben Strecke und Höhenmetern. Dann wechselt der Fokus auf das Kulinarische: Wildschwein, Brocciu (ein korsischer Schafsfrischkäse) und jede Menge leckere Charcuterie mit heimischen Schinken und Salami. Hmmm.
 
Dann starten wir in Corte auf unsere mehrtägige Tour nach Westen in Richtung Meer. Einsame wilde Täler, schöne Pfade, der intensive Duft nach der Immortelle (die „Unsterbliche“), Lavendel und all den anderen Kräutern. Wir übernachten in der Sega-Hütte nicht ohne vorher in der großen Gumpe mit Wasserfall und Gletschermühle ausgiebig gebadet zu haben. Am nächsten Tag steht die Königsetappe über den Lac de Nino bis zum Castellu di Vergiu an. Am Pass hinter dem See gibt es eine Gipfelmöglichkeit. Drei von uns wollen es wissen, während die anderen es sich gemütlich machen und einen guten Blick auf das Geschehen am Berg haben. Der Gipfeltriumpf ist den dreien aber nicht vergönnt. Ziegen bauen sich auf dem Weg auf. Der Rückzug steht an.
 
Es werden am Ende des Tages wunderschöne 24 km, gut 900 m hoch und fast 700 m runter. Gemeinsam und in Gruppen haben wir die gut gemeistert. Am Abend bekommen wir dann auch endlich die legendären Wildschweine auf Korsika zu Gesicht. Erstaunlich zutraulich spazieren sie an der kaum befahrenen Straße entlang.
 
Die folgenden Tage haben etwas weniger Kilometer, aber lang werden die Tage durchaus auch. Mittags erwartet uns der pittoreske Ort Evisa bevor es die Spelunca-Schlucht hinunter geht und weiter nach Ota in die Gite d’Etappe „Chez Marie“. Abgekämpft, aber schon frisch geduscht gibt es auf der Terrasse über dem Tal ein Pietra. Ein korsisches Bier das u.a. auch Kastanienmehl enthält und das einzige korsische ist. Wir konnten es die Tage über schon öfter probieren.
 
Der Weg von Ota nach Serriera führt uns über einen Bergrücken mit vielen Kiefern und Kastanien. Dann geht es um eine Kurve und da ist es: das Meer! Tiefblau, Steilküste und schöne Buchten, Schiffe. Jetzt reinspringen! Noch sind wir allerdings etwas entfernt. Eine kleine Gruppe von uns ist schneller und riecht schon die Meerluft. Nur eines steht dem im Weg: die Patrona der heutigen Gite rückt die Zimmer nicht an unsere Vorhut, sondern nur an Matthias raus. So ist das Willkommen groß, als dann alle versammelt sind und auch der kleine Ausflug zum Meer von einigen per Anhalter gestartet werden kann. Am Abend werden wir im dazugehörigen Restaurant mehr als verwöhnt. Der Grill wurde angeheizt und es wird uns eine große Platte mit Gemüse, Kartoffeln und Grillfleisch serviert. Wir schlemmen bis der Nabel glänzt. Die Reste bekommen wir gut verpackt für den nächsten Mittag mit. Und auch kalt ist das nochmal lecker.
 
Die vorletzte Etappe soll dann direkt am Meer enden. Vorher geht es mit wunderschönen Aussichten über felsige Pfade. Immer wieder geht der Blick zum Horizont. Das Meer lockt. Und dann ist die Bucht erreicht. Herrlich, das Schwimmen im Meer. Noch weiter eine kurze heiße Stunde bis nach Girolata, einem ehemaligen Hippie-Ort, wo man nur zu Fuß oder per Schiff hinkommt. Unsere heutige Gite steht direkt am Meer. Der kleine Hafen voller Schiffe. Eine Idee keimt auf – die letzte Etappe mit 800 Höhenmetern auf die andere Seite der Landzunge könnte doch durch eine Schifffahrt ganz wunderbar ersetzt werden. Aus 2 Leuten werden schnell 7, so dass die letzte Wander-Etappe nur noch 2 in Angriff nehmen und der große Rest sich eine frische Prise auf dem Schiff um die Nase wehen lässt und die spektakuläre Steilküste vom Wasser aus betrachten kann. Wir treffen uns am Abend in Calvi wieder, wo wir die Tour mit einem Essen am Meer beschließen und uns auf die Heimreise machen – Danke Matthias! Schön wars!
 
Bericht: Anett Ehrenfels
Bilder: Peter Steinkönig