Rheinsteig, Teil vier (Lorch – Wiesbaden)

In Begleitung toller Menschen an der frischen Luft in Bewegung sein und in ausgelassener Stimmung den Rheingau aus neuen kulturellen sowie landschaftlichen Blickwinkeln zu erleben – all das und noch viel mehr vereinte die Gruppenwandertour über das verlängerte Fronleichnams-Wochenende von Lorch nach Wiesbaden. Es war die vierte und letzte Etappe der Rheinsteig-Tour von Bonn nach Wiesbaden. Selbst für das Wochenende vorausgesagte Unwetter verschonten uns – und somit wurden es ein paar großartige Tage.

Die Wanderung über den gesamten Rheinsteig mit einer Länge von 320 km wurde von DAV-Wanderleiter Matthias Weber geplant, organisiert und durchgeführt. Die Strecke war in 4 Abschnitten zu je 4 Wandertagen eingeteilt. Die einzelnen Abschnitte wurden immer um Fronleichnam der letzten 4 Jahre erwandert. Das Besondere jedoch war der Start des 1. Abschnittes in Bonn, so dass wir den diesjährigen 4. und letzten Abschnitt im Wesentlichen durch den Rheingau nach Wiesbaden erwandern konnten.  Alle aus unserer Wandergruppe kennen den Rheingau bereits aufgrund vielfältiger anderer Events. Die schönen Ausblicke, die Wege des Rheinsteigs durch vielfältige Wälder und schließlich das Einkehren am Ende der doch schweißtreibenden Tagesetappen begeistert jedesmal aufs Neue.

Zusammenfassung:

Tag 1:   34.095   Schritte

Tag 2:   33.658   Schritte

Tag 3:   37.552   Schritte

Tag  4:   26.326   Schritte  (gezählt von Christian),

wobei „jeder einzelne Schritt viel Spaß gemacht hat“ (Zitat Christian) und die letzten Schritte bereits von einem Sekt und anschließendem leckeren Eis in Biebrich am Rheinufer überlagert waren.

 

Donnerstag 31.5.18: Tag 1

Die Fahrt nach Wiesbaden Hbf war um diese Zeit sehr schnell und angenehm. Bereits der Sonnenaufgang, den einige sehen konnten, versetzte einen in gute Laune. Pünktlich gegen 7:33 Uhr saßen wir im Zug und es ging los. Unterwegs kamen noch Sabine, Uta und Andreas dazu, am nächsten Tag noch Kasia und Angela, wir waren somit eine Wandergruppe mit 17 Personen.

Die Ankunft in Lorch weckte Erinnerungen an das Ende der letztjährigen Wanderung. Zunächst ging es entgegengesetzt unserer allgemeinen Wander-Richtung, aber wir folgten dem gelben Rheinsteig Zeichen (Zubringer).

Nach dem Sight-Seeing in Lorch ging es endlich mal bergauf, zunächst ein kleines Stück parallel zur hier einmündenden Wisper. Nach einem scharfen Knick in der Wegführung sahen wir bald wieder den Rhein, der uns nun fast den ganzen Weg in Sichtweite begleitete. Bis Assmannshausen gab es drei Stellen, die uns vom Rhein weg kurzzeitig in die kleinen Täler von einmündenden Bächen und wieder zum Rhein zurück führten.

Wir genossen die Aussichten auf die gegenüberliegenden Ortschaften und Burgen sowie die Aussichten rheinauf und rheinab.

Gegen Mittag erreichten wir die Rotweinlaube von Assmannshausen. Diese kam uns gerade gelegen, denn hier machten wir unsere Mittagsrast. Erfreulicherweise gab es an dieser Stelle eine kleine vollautomatische, internetfähige Verkaufsstelle für Wein. Einige aus unserer Gruppe probierten das gleich aus und mit wenigen Handgriffen hatten wir drei Flaschen Wein und die entsprechenden Probiergläser. Nach der bisherigen Hitze des Tages war der kleine Schluck Wein höchstwillkommen, Wasser hatte ja jeder bei sich.

Überhaupt wurde das von allen Wetter-Apps angekündigte Unwetter immer weiter zeitlich nach hinten verschoben.

Anschließend ging es unmittelbar am Assmannshäuser Höllenberg vorbei runter nach Assmannshausen. Der Wunsch nach einem schönen Kaffee und einem Stück Kuchen erfasste die ganze Gruppe. Dieser Wunsch ging an einem Festzelt in Erfüllung, wobei einige es vorzogen in ein Restaurant zu gehen und Eiskaffee bzw. alkoholfreies Hefeweizen zu trinken.

Ab hier ging es wieder bergauf Richtung Jagdschloss Niederwald, einige wählten die Fahrt mit dem Sessellift, um die wahrscheinlich wunderschöne Aussicht zu genießen. Nachdem wir diese Gruppe, unter schattigen Bäumen liegend oder im Jagdschloss sitzend, wieder mit unserer Gruppe vereinigt hatten, gingen fast alle durch die Zauberhöhle hindurch, um vom angebauten Rundpavillon die Burgen Rheinstein und Reichenstein zu sehen bzw. erahnen zu können, da diese Blickachse sehr zugewachsen ist.

Am Niederwalddenkmal stimmten wir ein Lied an, und Matthias gab uns einen sehr schönen Überblick über die Geschichte. Matthias und Andreas gaben anschließend noch sehr gerne weitere ausführliche Antworten auf unsere Fragen zur Historie dieses Denkmals.

Bisher hatte es immer noch kein schlechtes Wetter gegeben, und wir machten uns, bereits leicht ermattet, auf den Weg zu unserer Jugendherberge. Wir sahen eine Bushaltestelle Jugendherberge, und ein klitzekleiner Hinweis auf die Richtung hätte uns 1,5 km und eine halbe Stunde Suchen erspart.

Dort angekommen sahen wir mindestens 25 Harley-Davidson in Reih und Glied an der Hausfront stehen. Aber unsere zwei Zimmer waren ja fest gebucht. Nach dem Essen saßen wir vor dem Gebäude und genossen die schöne Aussicht. Später spielten einige Doppelkopf, das ist bereits Tradition, und wir anderen lauschten den Klängen, die von Rüdesheim hochschallten, denn hier war das ganze Wochenende das 17. „Magic Bike“-Treffen mit ca. 3.000 Harley’s und passender Musik ( AC-DC ? ).

 

Freitag 1.6.18: Tag 2

Nach dem Frühstück und den üblichen Ritualen in einer Jugendherberge fanden wir ganz schnell den Wiedereinstieg in den Rheinsteig. Der Blick über den Rhein, die Weinberge, ins Nahe-Tal überwältigten uns immer wieder. Am sichtbaren Horizont tauchten plötzlich zwei Metallspitzen auf. Dann folgten die Spitzen zweier Dächer, die sich, je weiter man wanderte, zu zwei Kirchtürmen entwickelten, bis die Abtei St. Hildegard in voller Pracht vor uns stand. Wir erhielten Informationen von Matthias und begutachteten noch einige Stelen aus gebranntem Ton mit Darstellungen aus der Bibel und deren entsprechenden Beschriftungen.

Das nächste Ziel war Kloster Marienthal. Nachdem wir einige kleinere Wegschwierigkeiten überstanden hatten, konnten wir uns im äußeren überdachten Kirchenraum niederlassen und unsere Mittagsrast durchführen. Das klare und kühle Quellwasser an diesem Ort war einfach herrlich. Man konnte Kerzen für liebe Menschen anzünden, beten oder nachdenken und über die im Innern der Kirche an der Wand befindlichen unzähligen Tafeln mit den Texten z.B. „Marie half und wird weiter helfen“ diskutieren.

Jetzt verließen wir den Rheinsteig, um einen kleinen Abstecher zu Schloss Johannisberg zu machen. Potz-Blitz, plötzlich fing es an zu regnen, aber wir waren ja nicht aus Zucker und es waren nur wenige Tropfen. Trotzdem konnten wir hier nicht draußen sitzen, denn alles war nass. Nach langwierigen und zähen Verhandlungen mit dem Oberkellner durften wir in einem schönen Nebenraum der Schlossschänke Platz nehmen und bestellen. Es gab u. a. einen leckeren Eiskaffee und draußen ging dann doch das lang ersehnte und von den Apps angekündigte Gewitter mit einem gewaltigen Regenguss hernieder, wie passend.

Direkt hinter Schloss Johannisberg und der Basilika gibt es einen Weinstand, der aber geschlossen war. Trotzdem belagerten wir die hier aufgestellten Rheingauliegen. Der Blick ins Rheintal lädt an dieser Stelle zum Verweilen ein. Wir aber folgten nach dieser Fotopause dem gelben Rheinsteig Zeichen und es ging Richtung Schloss Vollrads. Dieser Teil des Rheinsteigs ist gleichzeitig Teil des Flötenwegs, des Hessenwegs 7 und des Rheingauer Riesling Pfades. An anderen Stellen kommt noch der Klostersteig hinzu.

Während Schloss Johannisberg offen mit weitem Blick an der Hügelkante liegt, ist Schloss Vollrads eher im Taleinschnitt liegend von einer starken Mauer umgeben. Im Innern liegt der Wasserturm mit umgebendem Teich. Wir suchten uns schattige Plätze und genossen den Wein. Wunderbarerweise fand hier gleichzeitig eine Hochzeit statt. Das Brautpaar und die Fotografin waren auf dem ganzen Gelände unterwegs und fanden schöne Plätze für die Hochzeitsfotos. Der Höhepunkt dieser Hochzeit war aber das Fliegenlassen von –zig rosaroten herzförmigen Luftballons mit einer zunächst nicht erkennbaren Last. Einige der hier anwesenden weiblichen WanderInnen ließen Schreie der Entzückung hören, während die männlichen Wanderer sich diesbezüglich eher zurückhielten. Später stellte sich heraus, dass die Last eine Postkarte mit aufgeschriebenen Wünschen war, bei Fund zu senden an das Brautpaar.

Wir wanderten weiter zu Kühns Mühle, die etwa noch eine halbe Stunde entfernt war. Dort aßen wir alle zusammen zu Abend. An diesem Abend konnten einige hier übernachten, weitere fanden Unterkunft in Hallgarten, die meisten jedoch übernachteten bereits in dieser Nacht bei Uta und Andreas in Kiedrich. Die Hinfahrt und die Rückfahrt am nächsten Morgen und die Organisation der Transporte waren eine echte logistische Meisterleistung.

 

Samstag 2.6.18: Tag 3

Am dritten Tag, dem Samstag, mussten diejenigen, die hier übernachtet hatten, die Strecke der Anderen von gestern Abend nachholen. Nach 45 Minuten Wanderung trafen wir oberhalb von Hallgarten wieder auf den Rest der Gruppe. Es ging quer durch die schönen, eingeschnittenen Täler in Richtung Kloster Eberbach. Von dort nahmen wir den direkten (Rheinsteig-) Weg nach Kiedrich. Da wir geplant hatten, heute Abend hier bei Uta und Andreas zu übernachten, nutzten einige die Gelegenheit, Ballast abzuwerfen. Wir anderen stiegen im Schweiße unseres Angesichts und der Schwere des Rucksacks zur Ruine Scharfenstein auf, dann weiter an Rauenthal vorbei in Richtung Schlangenbad. Trotz der bereits erheblichen Nähe zur Großstadt Wiesbaden merkt man hier noch nichts davon.

Der vorläufige Höhepunkt des Tages war das leider nur halb gefüllte Kneippbecken. Raus aus den Schuhen und rein ins kühle Nass, es war einfach herrlich. Das Armkneippbecken entdeckten wir etwas später und kühlten unsere Unterarme bevor wir weitergingen. Mitten in Schlangenbad gibt es am Kurhotel ein Cafe und eine Kneipe. Wir holten Kaffee, Kuchen und Weizenbier und genossen einfach das schöne Wetter und den schönen Ort.

Mit dem Bus fuhren wir zurück in Richtung Kiedrich. Die letzten 2 – 3 Kilometer wanderten wir zum Haus von Uta und Andreas. Den letzten gemeinsamen Abend verbrachten wir zunächst im wunderschönen Garten und dann zum Essen in einer Winzerkneipe im Innenhof.

Der Garten von Uta und Andreas war so schön, dass einige es bis zum frühen Morgen aushielten. Um 7:00 Uhr gab es bereits Frühstück und anschließend ging‘s mit PKW nach Schlangenbad zurück, um die Wanderung an der gleichen Stelle des Rheinsteigs fortzuführen.

 

Sonntag 3.6.18: Tag 4

Der 4. Tag war ein Sonntag. Wir wanderten bis zum Grauen Stein, der eine geologische Verbindung zum Goethestein in Frauenstein hat. Am Monstranzenbaum erzählte Matthias die zugehörige sehr interessante Geschichte. Stück für Stück kamen wir zum Goethestein, von hier aus eröffnete sich ein wirklich grandioser Ausblick. Die letzte Strecke führte uns nach Schierstein zum Hafen. Hier gab es nochmal eine Rast unter sehr schönen schattigen Bäumen. Die letzten wirklichen Höhenmeter bewältigten wir mit dem Überqueren der Fußgängerbrücke an der Einfahrt zum Schiersteiner Hafen.

Jetzt ging’s am Rhein entlang, vorbei am Biebricher Schloss an die Promenade mit dem letzten Ziel: dem Eiscafe.

Es gab ein Gläschen Sekt zum Abschluss der Tour, Christian, Uta und Andreas wurden gewürdigt, weil sie den ganzen Rheinsteig erstiegen hatten, immerhin 320 km.

Fazit: Diese letzte Rheinsteig-Tour von insgesamt vier Touren war eine der schönsten. Ich glaube, alle Teilnehmer hatten viel Freude und Spaß, überlagert von einer sehr schönen Harmonie. Ich möchte Matthias für die ganze Arbeit und Mühe danken, auch im Namen aller anderen Teilnehmer. Wir freuen uns schon jetzt auf die Tour im nächsten Jahr, Vorschläge liegen vor und Matthias hat die schwere Aufgabe zu entscheiden, ob (hoffentlich) und welche Tour ausgewählt wird.

Vielen herzlichen Dank.

Peter Lipp

 

Fotos: Julia Woesthoff, Susanne Petersen, Peter Lipp, Matthias Weber